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Die Autoren sind für die Inhalte ihrer Artikel verantwortlich und spiegeln nicht die Meinung der Föderation wieder.
Bericht der Reise der Delegierten der FTKV Europas in den
Tscherkessischen Republiken Kabardina-Balkarien und Republik Adigeya
Zur Teilnahme an mehreren Ereignissen in unseren Republiken haben 4 Delegierten der FTKV eine 2 Etappen-Reise in den Republiken unternommen.
Die Delegierten waren: Herr Dr. Ehsan Saleh, Vehbi Kovulmaz, Naim Temiz und so wie Omar F. Tamzok.
Bereits am nächsten Tag sprach die Delegation Herrn Prof. Kazbolat Dzamikov im Namen der FTKV zum tragischen Tod seines 22 jährigen Sohnes Beileid aus und erfuhr, dass er nicht mehr für eine Wahl zur Verfügung stehen wird.
I. Etappe:
Vom 24.09-02.10.09 Aufenthalt in Naltschik mit drei Delegierten, wo sie von 28.-30.09.09 am 2. Internationalen Tscherkessischen Ärztekongress teilnahmen.
Der 1. Ärztekongress, der im letzten Jahr durch die Initiative des Vorsitzenden der FTKV Dr. Ehsan Saleh und Präsident der Uni von Naltschik unter der Leitung des Herrn Prof. Dr. Faidi Mahmud (Kardiologe aus Erlangen) Zustande kam, war so erfolgreich gewesen, dass seine Erweiterung und Fortsetzung, beschlossen worden ist.
Neben den zahlreichen Spezialisten im medizinischen Bereich, der in der Diaspora lebenden Tscherkessen aus Deutschland, Jordanien, syrien und der Türkei, so wie der Gastgeber, nahmen auch zahlreiche Nichtmediziner am Kongress teil.
Zu den zahlreichen und sehr interessanten Begegnungen und Besichtigungen, wurde der Kongress durch eine parallele internationalen Folkloreveranstaltung von Jugendlichen aus über 50 Ländern, sehr bereichert.
Wie immer, haben sich die Gastgeber in jeder Hinsicht sehr bemüht, alle Veranstaltungen sehr erfolgreich zu gestalten, was ihnen auch gelungen ist.
Mit einem Galaessen wurde dann der Abschluss gefeiert. Durch traditionelle Tischreden brachten die Teilnehmer ihre Eindrücke und Wünsche für die Ausweitung und Technik zum Ausdruck. Sowohl die Gäste als auch die Gastgeber bedankten sich für die Große Leistungen aller Teilnehmer und verabschiedeten sich mit dem Versprochen, alles zu tun, um das angefangene zu intensivieren.
Dank des unermüdlichen Einsatzes des Herrn Anatoli Kodzokov, der sich um die Organisation und die Gäste bemühte, war es eine gelungene Veranstaltung. Unser besonderer Dank gilt daher Herrn Anatoli Kodzokov.
II. Etappe:
Vom 02.-08.10.2009 Aufenthalt in Maikop wo die VIII. Hauptversammlung unseren Internationalen Tscherkessischen Assoziation (ITA) am 03.10.2009 abgehalten wurde.
Am Abend des 02.10.2009 trafen sich der Vorstand und der Vorsitzenden mit den Delegierten der ITA um den Ablauf des nächsten Tages festzulegen.
Am 03.10.2009 wurde dann die Hauptversammlung der ITA im Staatstheater (Philharmonie) gemäß Satzung und Neuwahlen des Vorstandes abgehalten. Hervorzuheben ist der Wechsel an der Spitze mit Herrn Adjakov Kanshobi. Ein Jurist und Direktor der 1990 errichteten Bum Bank in Naltschik.
Herrn Prof. Kasbolet Dzamikov wurde mit sehr viel Lob und Bedauern und guten Wünschen von allen verabschiedet.
Am 04.10.2009 folgte dann der Tag der Tscherkessischen Tradition mit zahlreichen Beiträgen von Wissenschaftlern an der Uni von Maikop.
Der 05.10.2009 Tag der Republik Adygea wurde mit bunten Straßenfesten, die den Eindruck erweckten, dass alle mobilen Einwohner der Republik dabei gewesen wären.
Wie auch nichts anders zu erwarten war, haben sich auch die Gastgeber in Maikop rührend um die Gäste gekümmert. Denen gilt auch unser Dank.
Die Delegation hat die Reise sichtlich genossen.
Delegierte der FTKV
Omar Farouk Tamzok
"MACHST DU DIR DIE ARMSELIGKEIT ZU EIGEN ..."
14.10.2008
Dr. MESFESSU Necdet Hatam
Machst du dir die Armseligkeit zu eigen
erwartest du, daß für dich etwas getan wird
wird das Adigetum verloren gehen
und du wirst die Schuld tragen
Time Seyin
Time Seyin,den ich durch Sefer Berzeg kennenlernte,
ist ein hochachtenswerter, von mir sehr respektierter Dichter unseres Volkes.
Er gehörte der Çerkes Teavün Cemiyeti an und war zeitweise verantwortlich für die Zeitschrift “Guaze”.
Er ist ein großer adigeyischer Dichter, der unsere Psyche als Adige Schicht um Schicht abgetragen hat und in seine Gedichte hat einfließen lassen.
Herr Berzeg veröffentlichte in einem kleinen Buch "Xegegui Guipsis" jeweils einen Text von bekannten adigeyischen Schriftstellern.
Darunter ein großartiges Gedicht von Time : "Thawsix"
Ich sah diese Buch, als ich mich wegen meiner Universitätsprüfung im Jahr 1967 in Ankara aufhielt.
Es war von Kube Saban mit dem lateinischen Alphabet geschrieben worden.
Time`s Gedicht, welches mich damals in seinen Bann zog, ist seitdem in meinem Gedächnis eingebrannt.
Jeder, der adigeyisch spricht und dem ich dieses Gedicht vorlas, war vom Dichter und dessen Werk begeistert.
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Manche Nachrichten auf der Homepage des KAF-FED,
die Art und Weise wie diese Nachrichten aufgearbeitet werden, die Tatsache,daß manche Fakten verschwiegen und falsch dargestellt werden,
erinnerten mich an die oben genannten Zeilen unseres großen Dichters.
Jedoch ist es nicht nur die Aneignung der Armseligkeit die sich in den Nachrichten spiegelte oder gespiegelt werden soll, sondern es werden auch Fakten bewusst falsch dargestellt.
Beweise?
Die gibt es zu Hauf....
Hier eine Überschrift auf der Website des KAF-FED :
"Tscherkessischer Tag" im EU-Parlament
07.10.2008
Diese Nachricht ist falsch. Sie entspricht nicht den Tatsachen.
Denn ein Tag, der ohne das Mitwirken der Tscherkessen in der Heimat organisiert wird, ist kein "Tscherkessischer Tag".
Wir haben die Verantwortlichen im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht.
Diese Veranstaltung kann höchstens - mit Zustimmung der Tscherkessischen Vereine in Europa - "Tag der Tscherkessen in der Diaspora" genannt werden.
Ich hoffe Sie können mir in diesem Punkt zustimmen.
Seit dem ersten Tag versuchten wir den Verantwortlichen des KAF-FED diesen Umstand sowohl im Internet als auch bei einem Besuch von Cem Özdemir in Adigey persönlich klar zu machen.
Jedoch ohne Erfolg, KAF-FED stellt die Fakten weiter falsch dar und beteiligt sich an der Veranstaltung.... was ich nicht verstehen kann.
Die dort gehaltenen Reden - soweit sie in vollem Umfang wiedergegeben werden- sind mehr als nur die Aneignung der Armseligkeit.
Meiner Meinung nach werden Die Tscherkessen offen verspottet...
Warum?
Sehen Sie wie der Kaukasus Experte des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barak Obama , Prof. John Colaruso ( s. Text über diese Person auf userer Website) sich über uns lustig macht und wie dies in eine Nachricht des KAF-FED einfließt. (zu einer Zeit in der die Russische Föderation im Gegensatz zu fast dem ganzen Rest der Welt die Unabhängigkeit Südossetiens und Abhasiens anerkennt) :
"Prof. John Colaruso, Ethnologe des Fachbereichs Ethnologie und Sprachwissenschaften der Kanada McMaster University referierte über die Geschichte und Sprache der Tscherkessen, sowie über den Gesellschaftsaufbau.
Er listete die Eigenschaften der Tscherkessen auf und beschrieb den Stellenwert, den Ältere und Frauen in der tscherkessischen Gesellschaft einnehmen.Frauen, so Colarusso,könnten durch auf den Boden werfen des Kopftuches bzw. eines Schals, den Sie trugen, Blutfehden durch dieses Signal beenden.
Die Tscherkessen liebten das Vergnügen und den Tanz, aber sie seien auch sehr gute Gastgeber, die ohne den Status ihrer Gäste zu unterscheiden, allen Kost und sichere Unterkunft gewährten.Des weiteren sei in der tscherkessischen Gesellschaft die Pflegebruder-/schwesterschaft stark verbreitet."
Sie sehen, Herr Colarusso informierte die EU - Parlamentarier eines Kaukasus-Experten würdig.
Hätte Herr Colarusso noch hinzugefügt,daß es bei den Tscherkessen keine Gefängnisse gab, und Sie zu zu den ersten gehörten, die Pferde zähmten,wäre seine Rede perfekt gewesen.
Es hätte zwar keinen EU-Parlamentarier dazu bewogen sich mit unseren Problemen zu beschäftigen, doch es war Wasser auf die Mühlen derer, die sich die Armseligkeit aneigneten.
Doch das größte Lob und die schönsten Worte wirken wie eine Verhöhnung, wenn man Zeit und Ort nicht richtig wählt, siehe der "Kaukasus-Experte", der die Tscherkessen verspottet hat.
Obwohl Time schon vor 100 Jahren diejenigen warnte, die sich die Armseligkeit aneignen, haben die Organisatoren dieses "Tages" genau dies getan und waren über o.g. Ausführungen des "Experten" sehr glücklich.
Die gleiche Website berichtete, daß die eigentliche Absicht Prof. John Colarussos das kleine , aber über ein starkes Potenzial verfügende Abchasien, welches Russland für seine Investitionen in eine vielversprechende Position gebracht habe, nicht vollkommen der russischen Finanzmacht überlassen werde, sondern auf die Seite des Westens gezogen werden müsse.
Der Berater von Herrn Obama sieht jedoch - im Vergleich zu unserer Einschätzung -(!) kein Risiko darin,daß sich Südossetien mit seinen Brüdern im Norden vereinigen und somit Teil der Russischen Föderation
wird: " Südossetien ist geschichtlich ein anderer Fall". Südossetien allein auf die Seite des Westens zu ziehen reicht nicht aus.Wenn die beiden Gebiete erst einmal vereinigt sind ("Republik Alan"), werde mann schon wissen, wie weiter vorzugehen sein wird.
"Der tscherkessische Tag wurde zum 3. mal abgehalten.Wurden die Aktivitäten bis dahin im Garten des EU-Parlamentes durchgeführt, fand die Veranstaltung nun im Gebäude des Parlaments statt".
Sehen Sie, was passiert, wenn man sich die Armseligkeit zu eigen macht...?
Man ist überglücklich, in den ersetn 2 Jahren im Garten des Parlament Volkstänze aufgeführt zu haben,und schlägt nun vor Herrn Özdemir Purzelbäume,weil man im 3. Jahr ins Parlamentgebäude eingelassen wurde.Diese, einem Klassensprung gleiche, extrem wichtige Entwicklung
kommentiert der tscherkessische Abgeordnete ( Özdemir ) so :
" Als wir vor 2 Jahren begannen,hätte niemand daran gedacht,daß wir so weit kommen würden."
Herr Özdemir betonte, man hätte in den zwei Jahren einen langen Weg hinter sich gebracht.
"Heute veranstalten wir den dritten tscherkessischen Tag, was vor drei Jahren niemand für möglich gehalten hätte.Wir haben in Abhasischer wie auch in den anderen Sprachen der Region zu unseren Bürgern gesprochen.Wir versuchen, wenn auch in geringen Umfang, diese schönen Kulturen an folgende Generationen weiterzugeben. Stellen Sie sich einen Blumengarten vor, indem einige Blumen verwelken und aussterben.Wir wünschten, dies wäre nicht der Fall und alle Kulturen könnten an neue Genarationen weitergegeben werden.Die hier anwesenden Menschen erfüllen ihre Mission.Ich hoffe diese Kulturen werden nicht aussterben."
"Natürlich werden wir auch aktuelle Themen behandeln.Wir werden über die Kriege sprechen. "Wie sieht die Zukunft Abchasiens aus?" Unsere aus der Republik Abchasien werden mit EU-Parlamentarienrn disskutieren, hier sprechen. Wir werden eine Premiere haben.Es wurde immer nur über die Georgier geredet, nie über die Abchasier.Heute werden wir dieses zum ersten mal hier verwirklichen."
Dem Kaiser was des Kaisers ist.
Das einzig positive an dem "Tag der Tscherkessen", an dem die Abgeordneten der Republik Abchasien ihre Anliegen den Eu-Abgeordneten
vortragen konnten, kann nicht von der Hand gewiesen werden.
Wir müssen aber auch bedenken, daß in dem Parlament,in dem ein tscherkessischer Abgeordneter sitzt, nicht die Anerkennung Abchasiens und Südossetiens gefordert wurde!
Wir lesen weiter : " ....berichtete er in seiner Ansprache von den Leiden und den Genozid an den Tscherkessen.Herr Sefer Berzeg betonte die wichtige Rolle Russlands in der Geschichte der Tscherkessen.Die Russen hätten die Tscherkessen aus ihrer Heimat vertrieben, wobei tausende durch Hunger und Krankheit ums Leben gekommen seien.
Das Osmanische Reich, so Herr Berzeg, hätte die staatenlosen Tscherkessen aufgenommen.
"Die staatenlosen Tscherkessen kamen ins Osmanische Reich und brachen auch Probleme mit sich. Der "kranke Mann am Bosporus" wurde jedoch auch durch die Ankömmlinge gestärkt und wichtige Positionen im Osmanische Heer wurden mit Tscherkessen besetzt.
Trotz der vielen Leiden in Ihrer Geschichte, haben die Tscherkessen niemals den Wunsch nach der Rückkehr in die Heimat aufgegeben.
Sie haben die Vorstellung der Rückkehr in die Heimat ihrer Träume weder in der Vergangenheit noch heute begraben."
Der über diese Thematik bestens informierte Jurist und Schriftsteller Sefer Berzeg überspringt und verfälscht die Geschehnisse.
Denken Sie, er weiss nicht, daß es von den Osmanen ünterstützte tatarische Angriffe waren, die die tscherkessischen Fürsten zwangen mit den Russen militärisch-politische Abkommen zu unterzeichnen?
Auch, daß Russland die Entvölkerung des nordwestlichen Kaukaus anstrebte, während das Osmanische Reich auf die MEnschen dieser Region angewiesen war?
Kann es ihm unbekannt sein, daß die Osmanen und Russen zwei Auswanderungsabkommen vereinbarten?
Auch,daß die Abchasen 1878 zu den Waffen griffen nach Zusagen der Osmanen, und auf deren Rückzug aus dem Gebiet in Massen das Land verließen?
Nein, denn dieses Wissen haben wir aus den Forschungen des Herrn Berzeg selbst.
Während der zaristisch - tscherkessischen Kriege hatten die Tscherkessen schon einmal ihre Hoffnung auf den Westen gesetzt und Abgesandte nach Großbritannien entsandt.
Wie heute wurde die Gesandtschaft auch damals von der Regierung nicht wahrgenommen.
Im Parlament wurde ein Text verlesen, den Vereine ,zur Unterstüzung des Kaukasus gegründet, verfasst hatten.
Interessant jedoch zwei Punkte, die der Regierung nahegelegt wurden :
- Die Zusage der Rückkehr der Gesandten auf englischen Schiffen, um vor russischen Patrouillen sicher zu sein.
- Die Zusage im Falle des Zusammenbruchs der Front im Kaukasus, daß die Kaukasier ,im Exodus in ein Land ihrer Wahl, unterstützt würden.
Kann die Staatenlosigkeit von fast 90% der Tscherkessen, in Anbertracht dieser Tatsachen, nur mit dem 1864 vom Zaren erlassenen Edikt erklärt werden?
Der den Verfächtern eines vereinigten Kaukasus bekannte Osman Celik
sagte:"Englands leere Worte haben zu nichts getaugt.Sie haben den Kaukasiern im Gegenteil geschadet, die den englischen Verprechen glaubend die ihre Blicke auf die dunklen Weiten des Schwarzen Meeres richteten.
Ist es nicht beschämend, daß Herr Berzeg - trotz besseren Wissens - diese Spielchen der Vergangenheit nicht nur fortsetzt, sondern auch noch verfälscht fortsetzt?
Schodjenzuk Ali
Schodjenzuk Ali gilt als einer der Wegbereiter der Tscherkessischen Literatur des 20. Jahrhunderts und ist somit einer der bedeutendsten tscherkessischen Dichter. Er stammte aus Kabardino-Balkarien und wurde Opfer des 2. Weltkrieges.Vermutlich um 1940 / 1941 schrieb er zu einem uns unbekannten Anlass seinen Lebenslauf. Aus diesen Lebenszeichen des großen Dichters entnehme ich hier die wichtigsten Passagen seiner Biographie.Dort schreibt er u.a.:
Ich, Schaudjenziky Ali, Sohn von Ashad, bin im Jahre 1900 im Dorf Stare Krepost im Bachsanrayon geboren. Unsere Familie bestand aus meinen Eltern und elf Geschwistern. Das mittlere Kind meiner Eltern war ich. Wir besaßen zwei Ochsen und eine Kuh. Mit der Hilfe meines Onkels besuchte ich 1908 die Schule im Dorf, wo neben Russisch auch Arabisch unterrichtet wurde. 1914 beendete ich diese Schule mit Erfolg und kam in eine wieder eröffnete Religions-Schule in Bachsan, wo überwiegend Religion und Arabisch unterrichtet werden sollte.
Zagoa Nuri, war mein damaliger Lehrer für die adygeische Sprache und Literatur. Als er die Erweiterung des Unterrichtsstoffes anregte, wurden er und mehrere Schüler, die ihn bei einer Konferenz unterstützten von der Schule entfernt. Dazu zählte auch ich.
Danach erhielt ich vorübergehend von Zagoa Nuri Privatunterricht, bis er mir von September 1915 - März 1916 in Byinaksk (Dagestan) eine Weiterbildung vermittelte. Der Rektor dieser Schule half mir anschließend, bis Dezember 1917 eine pädagogische Ausbildung in Bachtschi-Saray auf der Krim zu bekommen. Darauf wurden mir und zehn weiteren Schülern ein Studium in der Pädagogischen Akademie in Konstantinopel ermöglicht. Diese beendete ich 1919 und lebte bis März 1920 in meinem Dorf.
Nachdem ich kurze Zeit als Journalist der naltschikischen Zeitung "Nalkawctroi" gearbeitet hatte, kam ich im Jahre 1920 für eine nach Baku (Aserbaijan) und besuchte dort Kurse für orientalistische Politik. Danach lebte ich in Derbent (Dagestan), wo ich Anfang 1922 schwer an Typhus erkrankte und nach Naltschik zurückgebracht wurde. 1923 fuhr ich dann in mein Dorf Stare Krepsot zurück, und unterrichtete in der Grund-Schule, die dort eröffnet wurde, Adygeisch bis 1927.
Meine Gedichte wurden dort ab 1925 als Unterrichtsstoff eingeführt. In den Jahren 1928-1929 habe ich dann in der Realschule unterrichtet und vorübergehend die Agrarschule kommissarisch als Direktor geleitet. Neben meinen literarischen Aktivitäten habe ich bis 1939 als Pädagoge in zahlreichen Schulen, als Schulrektor, sowie als Rektor der Kolchosuniversität von Psichurei gearbeitet. Meine Gedichte und Lyrik sind 1939 erschienen.
Die Spur des kurzen Lebens von Schodjenzuk Ali, verlieren wir im Jahre 1940 / 41 mit seinem Appell an seine Kollegen zum geplanten Kulturzentrum für die Jugend ihren Beitrag zu leisten. Bis am Ende seines kurzen Lebens im Konzentrationslager von Bobrujsk (Weißrussland), wohl im Jahre 1941, hat uns der Dichter und Wegbereiter der Tscherkessischen Literatur ein Lebenswerk mit über 400 Seiten hinterlassen.
Sein Werk ist sowohl in balkarischer als auch in russischer Sprache übersetzt worden. Die durch Verbote seiner Gedichte und Lyrik verursachte Entbehrung, waren zum Glück von kurzer Dauer. Heute freuen wir uns sehr darüber, dass auch wir in der Diaspora durch unseren intensiven Kontakt, diese Lektüre mit genießen dürfen.
In seinem Werk hat er sich stets mit sozialkritischen Themen beschäftigt. Er wollte die soziale Situation verändern und Hinweise geben, dass sein Volk die ihm eröffnete Chance ergreifen soll um seine Muttersprache wiederzubeleben. Ich erlaube mir ihn mit seinem ersten Gedicht, das er mit 17 Jahren in einer verzweifelten Situation - als mittelloser Student in der Fremde (Istambul) - in Form eines Briefes an seine Mutter geschrieben hat, vorzustellen.
НАНЭ
Уэ пщlэрэ уи щlалэ цlыкlур Хы lуфэм щепэзэзэхыу? Щlыпэ хамэм анэ-адэншэу Къуршыжьхэм ар къыхуэбанэу? Щыlэкъым мыбы зы махуи lуащхьэмахуэ сигъэлъагъуфу, Щыlэкъым мыбы зы ани, Нанэ, уэщхьу lэ къыздилъэу. Щыхьэрщ�; и лъабжьэр тенджызу, Гызыжу кхъухьхэр къепщылlэу, Хьэпшыпхэр плlэкlэ къырахыу, Ферс фlейкlэ напэр щlалъэщlу. Си нанэ, а хьэлъэзехьэхэрщ Нобэкlэ къызэдэхащlэр, «Зеиншэщ мы хъарып цlыкlур», - Жаlэурэ lэ къыздэзылъэр. Апхуэдэхэм и lэгухэр пхъашэми, Си щхьэфэм щабэ къохъуэкlыр, Анэбгъэм си lэр пэжыжьэми, Гужьеигъуэм абы сыхашыр. Нанэ, фlыти сыкъыумылъхуамэ, Бэлыхьхэми ухэзмыдзамэ, Зедзэну уи щlалэ цlыкlур Къэмыхъуу е лlэжыгъамэ. Сыт къуаншагъэу, тхьэ, уэзлэжьауэ Дунейм пцlанэу сыщlытебдзар? Дзы имыlэу нанэ тхьэмыщкlэми Нэпс щигъэжу къыщэбгъэнар. Ара уэ узэрызахуэр, - Сабий гъыбзэр зэхыумыщlыкыу, Пхъэнкlийхэм ар щыхэжаекlэ Ныбэизхэр щыбгъэдыхьэшхыу? Умыдзыхэ, си нанэ дыщэ, Лlы ищlынщ уи къуэр lэштlымым, Зэман кlэщкlэ ар нэкlуэжынщи Щыплъэжынщ Бахъсэн аузым! 1917 гъ.
Oh Mutter
Weißt du oh Mutter,
Wie dein kleiner Junge - der einsam
Ohne Eltern - fern seiner geliebten Berge -
Am fremden Meeresufer an Sehnsucht leidet?
Nichts hat mir hier meinen geliebten Oschhamafe (Elbrus) -
Auch annähernd ersetzen können,
Keine Mutter, die mich
Dabei tröstend streichelt.
Eine Großstadt... am Meeresufer,
An seinem Hafen - taumelnd große Schiffe anlaufen,
Tagelöhner löschen ihre schweren Frachten,
Mit verdreckten Filzmützen (Fes) ihren Schweiß wischend.
Doch nur diese Tagelöhner oh Mutter-
Erbarmen sich meiner,
Arme weise Knaben nennen sie mich-
Mir überm Kopf streichend,
Streiche dieser rauen Hände,
Die ich oh Mutter- deiner weichen erinnern,
Spenden mir Mut die Härte
Der Fremde zu ertragen.
Oh Mutter! Hättest du mich nicht geboren,
Wäre mir viel Kummer erspart geblieben.
Auch ein früherer Tod wäre für deinen kleinen Knaben,
Der hin- und her gestoßen wird- eine Gnade gewesen.
Oh Gott! Mit welcher Sünde habe ich es verschuldet?
Nackt und mittellos auf diese Welt geworfen zu werden-
Und die Schuld - und hilflose Mutter-
Kummertränen lassen vergießen.
Ist das deine Gerechtigkeit?
Mich, verschlagenen Hüttenbewohner
Von Gesättigten verschmähen zu lassen
Und die Klagen eines hungrigen Knaben zu überhören?
Verzage nicht oh goldene Mutter!
Die Faust wird deinen Knaben zum Manne formen
Zu dir und Bachsansschluchten
Bald zurückkehren.
Schodjenzuk Ali in Istanbul 1917
Übersetzt von Omar- Farouk Tamzok
Die Narten
- Das große Epos des Kaukasus -
Originaltitel: Narty
André Sikojev
(Sprachwissenschaftler, Journalist, Theologe, Filmproduzent)
Diederichs Gelbe Reihe, Hugendubel Verlag,
München 2005, 351 Seiten
ISBN 3-720-52629-1
14.95 Euro
Dieses Buch stellt uralte Mythen vor, die im Kaukasus über Jahrtausende gesungen und weitererzählt wurden. An vielen Stellen wird man an altnordische oder griechische, an persische oder indische Sagen erinnert. Das kaukasische Epos, das auf skythische Götter und auf die Stämme der Alanen zurückgehen soll, ist ein erstaunliches Zeugnis für indoeuropäische Verwandtschaften in der Sagenwelt. Und es ist das Vermächtnis des kleinen ossetischen Volkes, in dessen Gedächtnis es die Zeiten überdauert hat.
Hans Wagner
André Sikojev schreibt: "Aus den Bergen des Kaukasus, so wurde uns überliefert, zogen einst die unter dem Morgenstern geborenen mythischen Heldenzwillinge Achsar und Achsartag zum Ufer des Meeres, einer Blutspur folgend. Ungesühnte Schuld ließ sie sich, nach der glücklichen Hochzeit des Jüngeren, gegenseitig erschlagen." (Siehe weiter unten, "Urismag, Sohn einer Nymphe..."). Mit diesen ganz im Epenstil gewählten Worten leitet André Sikojev seinen Versuch einer Deutung der Nartensaga ein. Der 1961 in Moskau als Sohn eines Osseten und einer Deutschen geborene Autor, Geistlicher der Russischen Orthodoxen Kirche, hat das Narten-Epos erstmals aus einer russischen Fassung, die es seit 1948 neben einer ossetischen gab, ins Deutsche übertragen.
Die Nartensagen entstanden im heutigen Siedlungsgebiet der Osseten
"Wer waren die Narten?", fragt Sikojev, "die Helden jener über mehrere Menschheitsepochen überlieferten Sagen". Er zitiert den französischen Wissenschaftler Georges Dumézil: "An den nördlichen Hängen der kaukasischen Kette, in den fruchtbaren oder sandigen Ebenen, die von Europa her an diese angrenzen, auf dem schmalen, mit üppiger Vegetation bedeckten Küstenstreifen, der die Berge vom Schwarzen Meer trennt, in den Engpässen und Schluchten, durch welche die Wasser des Kuban, des Terek und eine Vielzahl kleinerer Flüsse strömen, fand ein höchst interessantes Mosaik von Völkern der Alten Welt ihren Platz."
Dort, im Zentrum des Gebirgsrückens, leben heute die Osseten, ein Volk von etwa 400.000 Seelen. Sie seien direkte Abkömmlinge der Alanen, führt Sikojev aus, und - über diese - die einzigen, heute noch existierenden Nachfahren der Skythen, "jenes Reiternomadenvolks aus der einst großen Gruppe der Indoiranier". Die Nartensagen seien hier im Siedlungsgebiet der Osseten entstanden. Im gesamten nördlichen Kaukasus habe man sie einst erzählt und gesungen.
Die Vorfahren der Osseten lebten in Europa und in Asien
Eine Beschreibung der Alanen, ihres Aussehens und ihrer Verbreitung gibt der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus im 4. Jh. n. Chr. "Sie verteilen sich", so berichtete er, "über beide Erdteile (Europa und Asien). Wenn sie auch durch weite Räume getrennt sind, so haben sie sich doch im Laufe der Zeit unter einem Namen vereinigt und heißen alle zusammen Alanen wegen ihrer Sitten, ihrer wilden Lebensart und der gleichen Bewaffnung. Die Alanen sind fast alle schlanke und schöne Menschen mit hellbraunem Haar, furchterregend in der gemäßigten Wildheit ihrer Augen und schnell, wegen der Leichtigkeit ihrer Waffen."
Vielleicht erstmals schon unter dem Druck der hunnischen Reiterscharen (Vgl. EM -03-05), aber vor allem später nach dem Ansturm der Mongolen (Vgl. EM 03-03) zogen sich die Alanen tief in die unzugänglichen Schluchten des Kaukasus zurück. Diese wilden Gebirgsgegenden, schreibt Sikojev, "wurden zur Heimat eines neuen Volkes - der alanischen Osseten."
Urismag - Sohn einer Nymphe und eines Narten
Die zentrale Figur des zweiten der fünf in diesem Band vorgestellten Epenzyklen, der weise Held Urismag, stammte wie auch sein Bruder, der stahlbärtige Chamiz, aus der Verbindung seines Vaters Achsartag (dem Begründer eines der Nartengeschlechter) mit einer Meeresnymphe - der Tochter des Meergottes Donbettir."
Dieser Achsartag war zusammen mit seinem Bruder Achsar der Blutspur eines Vogels gefolgt und als diese ins Meer führte, ihr auch dorthin nachgegangen. Achsar wartete am Meeresufer auf ihn. Die blutige Fährte führte Achsartag zu Dserassa, der Tochter des Meeresgottes Donbettir. Die Nymphe hatte in der Verwandlung eines Vogels im Garten der Narten einen Apfel stehlen wollen und war vom Pfeil Achsartags verwundet worden. Der junge Narte heilte sie mit ihrem eigenen Blut, das er unterwegs aufgesammelt hatte, indem er es auf ihre Wunde legte. Das Mädchen wurde augenblicklich gesund und heiratete Achsartag. Als sich beide nach einem Jahr auf den Weg zurück ins Nartenreich von Achsartags Vater machten, weil Dserassa ein Kind erwartete, brachte Achsartag aus Eifersucht seinen wartenden Bruder und schließlich auch sich selbst um. Die schwangere Dscherassa brachte schließlich als Witwe die Zwillinge Urismag und Chamiz auf die Welt.
Die Zwillinge waren wie alle Narten selber von mehrfacher Menschengröße und kämpften gegen Riesen und Zyklopen. Nach ossetischem Glauben wohnten die Narten auf den Gipfeln der Kaukasusberge. Man sprach ihnen Eigenschaften zu, wie ungezügelten Zorn, große Tapferkeit, List und Verachtung gegen alles Weiche.
Erinnerungen an nordische Götter und indische Sagen
Die Pferde der Narten vermochten wie diejenigen Wotans und seiner wilden Jagd durch die Lüfte zu reiten. Und wen erinnern nicht jene nartischen Gottheiten wie der Himmelsschmied Kurdalagon , der Donnergott Uazilla und Sapha, der Schirmherr des heimischen Herdes an nordische Sagen und Mythen. Die Auseinandersetzungen der nartischen Helden mit ihrem Gott vergleicht Sikojev auch mit den Kämpfen in der serbischen Sage vom Sonnenraub und mit dem Kampf Thors gegen die Midgardschlange in den nordischen Sagen.
Im Mongolischen heißt "narta" Sonne. Ausgerechnet die ärgsten Feine der alanischen Osseten haben damit den sagenhaften Geschlechtern der Narten ihren Namen gegeben. Von "narta" abgeleitet wurden sie "narartar" genannt, die "Kinder der Sonne". Daraus ergibt sich auch der Titel für die aufsehenerregende Epensammlung aus dem Kaukasus.
Die epischen Zyklen, die von den Narten künden, wurden von den Geguakos, den alten Sängern vorgetragen, die "gleich den keltischen Druiden auf diese Weise Legenden und Sitten, 'Geschichte' und 'Gesetz' aufbewahrten", wie Dumézil schreibt.
Sikojev berichtet über die Geguakos: "Zu den großen Festen der Bergbewohner wurden sie geladen; sie spielten auf dem zwölfsaitigen, harfenartigen Fandir, sangen zur Feier der Personen oder trugen die nartischen Sagen vor."
Wie der alternde Held Urismag versuchte zu sterben und erneut zum Helden wurde
Über viele Jahrhunderte wurden diese Sagen und Mythen nur mündlich weitergegeben. Das erklärt laut Sikojev auch, "weshalb der erzählerische Stoff der einzelnen Sagen keinem eindimensionalen Zusammenhang folgt, weshalb die Narten an mehreren Stellen des Buches in unterschiedlichem Alter agieren oder wie [...] Urismag scheinbar nie endgültig sterben."
Von ihm wird berichtet, wie er als alter Held selbst versucht habe, der Welt zu entsagen und auch dabei eine neuerliche Heldentat vollbrachte: "Mit den Jahren wurde Urismag immer hinfälliger, seine gewaltige Kraft war erschüttert und es zog ihn nicht mehr auf Kriegsmärsche oder zur Jagd. Die nartische Jugend fragte nicht mehr bei ihm um Rat und es gab sogar solche, die ihn zu verspotten begannen."
Eines Tages sprach der alte Held: "Oh, wenn ich doch nur noch ein einziges Mal losziehen könnte, mein Schwert an den feindlichen Adern zu erproben, den Narten helfend den Sieg zu erkämpfen. Doch ehe es mir bestimmt ist, ruhlos mein Leben zu beenden, so wäre es besser, den Tag meines Todes selbst zu bestimmen."
Er bat, "eine große und feste Truhe" zu schmieden, ihn hineinzulegen und im Meer zu versenken. Nach langem Zögern erfüllte man ihm den Wunsch. Die Narten warfen die Truhe mit Urismag ins Schwarze Meer.
"Ohne meinen grauhaarigen Kopf werden euch noch die Elstern in ihre Nester tragen"
"Doch der Meeresgott verschlang die Truhe nicht. Vorsichtig hoben die Wellen sie hoch und trugen sie davon." So gelangte der Alte zum Erzfeind der Narten, dem grausamen Schwarzmeerfürsten Aldar, der ihn in den Turm werfen ließ, wo Urismag verfaulen sollte. Doch mit einer List gelang es dem Alten, sich in das Vertrauen Aldars einzuschleichen. Urismag bot an, zwei Boten zu seinem Volk der Narten zu senden, damit ein gewaltiges Lösegeld in Form riesiger Herden an den Schwarzmeerfürsten geschickt würde. Der habgierige Aldar ließ sich darauf ein. Er stieg mit Urismag auf den Turm und erwartete die Herden der Narten. Doch der listenreiche Urismag hatte den Boten einen Text aufgegeben, den die Narten als Zeichen zum Angriff mit ihrem gesamten Heer verstanden. Die Mannen Aldars gingen der herannahenden Staubwolke unbewaffnet entgegen, um die Tiere nicht zu erschrecken. Das hatte ihnen Urismag eingeredet. Die Narten machten sie samt und sonders nieder. Urismag stürzte den Erzfeind Aldar vom Turm hinab zu Tode.
"Als die Narten Urismag lebend antrafen, da war ihre Freude groß", heißt es in dem Epos und Urismag spottete: "Ich sehe schon, wenn ihr ohne meinen grauhaarigen Kopf bleibt, werden euch noch die Elstern in ihre Nester tragen."
Reich mit Schätzen beladen kehrten die Narten heim. "So half der weise Urismag auch noch im hohen Alter seinem tapferen Volk", heißt es in dem Epenzyklus von Urismags letztem Abenteuer.
Der französische Wissenschaftler Dumézil würdigt die Nartensagen zu Recht als ein bedeutendes Stück eurasischer Literatur. Mit dem Nartenepos sei eine ehrwürdige Mythologie wiederentdeckt worden, die genau so wichtig sei "wie die Schwesternmythologien der Perser und Inder. Ebenso wie die gallischen Erzählungen oder das irische Epos des Mittelalters es [...] erlaubt haben, die keltischen Mythen zu rekonstruieren, gestatten es die Erzählungen über die Narten, den Schatten einer skythischen Gottheit zu beschwören."
Die Sitten und Bräuche der Gebirgsbewohner
Achmet MALSAGOW, Inguschetischer Schriftsteller
Quelle: Sputnik, November 1971
VEREHRER VON ZEREMONIEN
Tschetschenen und Inguschen sind Brüder. Sie unterscheiden sich in Sprachen, Sitten und Bräuchen sehr wenig.
Dennoch hat jedes Volk etwas Eigenes. Die Tschetschenen lassen sich beispielsweise keine Gelegenheit entgehen, ein geistreiches Wort anzubringen, sie gelten nicht umsonst im ganzen Kauskasus als zungenfertig. Die Inguschen wiederum neigen dazu, die den beiden Völkern gemeinsamen Bräuche pedantisch zu befolgen, was manchmal komische oder gar lästige Formen annimmmt.
Betrachten wir etwa die Tischetikette, die genau vorschreibt, wer welchen Platz einzunehmen hat. Der Sohn darf vor Leuten nicht gleichzeitig mit dem Vater, der jüngere nicht mit dem älteren Bruder am Tisch sitzen (das Alter gilt ja gewöhnlich bei Tisch mehr als Rang und Name). An der Spitze dieser Stufenleiter steht jedoch - unabhängig vom Alter - der Gast: Niemand, auch keiner von den Alten, darf vor dem Gast, besonders wenn er einem anderen Stamm angehört, die vordere Zimmerecke betreten. Am geplagtesten ist der Schwiegersohn: Falls ein Verwandter seiner Ehehälfte am Tisch sitzt, ist er unwiderruflich dazu verurteilt, stehenden Fußes zu hungern, während alles ißt (man hat ihm ein Mädchen zur Frau gegeben, und er ist ihrem Stamm dafür bis an sein Lebensende Ehrfurcht schuldig).
Solche bei allen Kaukasiern geltenden althergebrachten Sitten werden von den Inguschen, wie gesagt, manchmal mit übertriebener Beflissenheit eingehalten. Sie machen sich deswegen sogar selbst über sich lustig, und zwar mit einem Gleichnis, das sich - na wer schon! - die Tschetschenen ausgedacht haben.
"Auf einer weiten Wanderung kam ich in ein Inguschendorf", erzählt ein Tschetschene seinen Dorfnachbarn.
"Wie hat man dich aufgenommen?"
"Wie es sich gehört: Man hat einen Hammel geschlachtetund Gäste eingeladen. Ich konnte mich aber nicht lange aufhalten, ich war in Eile..."
"Und als du zurückkehrtest, kamst du dort wieder vorbei?"
"Ja, ich kam vorbei, drei Tage später, und stellt euch vor: Ich kam zu Tisch noch rechtzeitig. Die Inguschen besprachen noch immer, wer wo sitzen soll: "Nach dir!" - "Weiß Gott, ich bin es nicht wert, an der TAfel einen höheren Platz als du einzunehmen." - "Aber nicht doch, ich sollte in deiner Anwesenheit überhaupt stehen" usw. usf."
Beim Erzählen dieses Gleichnisses wollen sich die Inguschen vor Lachen ausschütten.
Wer den Dichter will verstehn, muss in Dichters Lande gehen. Ehe man über Dichter des Kaukasus spricht, ist einiges über ihre Heimat zu sagen.
Der Kaukasus liegt zwischen zwei Meeren: dem Schwarzen und dem Kaspischen. Tausend Kilometer weit erstrecken sich mächtige Gebirgszüge. Es ist dies ein Land, wo ewiger Schnee auf unzugänglichen Gipfeln und Gletscher den üppigen Weideplätzen von Almen benachbart sind; wo schnelle stürmische Flüsse, hoch oben in den Bergen entsprungen, in Schluchten hinunterbrausen. Im Vorgebirge de Kaukasus liegt fruchtbares Steppenland, wogen die Ähren unendlicher Kolchosfelder und reifen Weintrauben.
Dies Land bewohnen viele Völker. Im Nordkaukasus gibt es drei autonome Republiken: die Daghestanische, die Nord-Ossetische und die Kabardinische; außerdem eine autonomes Gebiet: das Tscherkessische. Während Kabarda die Kabardinen, Ossetien die Osseten bevölkern, ist die Daghestanische Republik multinational. Daghestan, was "Land der Berge" bedeutet, wird überdies "Sprachengebirge" genannt. Dort leben über dreißig Völkerschaften; die zahlreichste sind die Awaren (mehr als zweihunderttausend). Tscherkessien bewohnen drei Nationalitäten: die Tscherkessen, die Abasinen und die Nogaizen.
Den früher zersplitterten verschiedensprachigen Kaukasusvölkern ist nunmehr Russisch zur zweiten Muttersprache geworden. Es hat ihren freien Verkehr miteinander ermöglicht.
Seit alters her zog der Kaukasus die gierigen Blicke von Landräubern und Erobern auf sich. Seine Geschichte ist eine Chronik grimmiger Kriege.
Zusammen mit Russland hat der Kaukasus den Weg der revolutionären Entwicklung und des Kampfes gegen die Selbstherrschaft zurückgelegt. Die Oktoberrevolution brachte den Bergvölkern die Freiheit von einem doppelten Joch: von dem des Zarismus und von dem der einheimischen Feudalfürsten. Die Sowjetordnung gab den Bergbewohnern die Autonomie. Im Kaukasus begann ein neues Leben.
Vor der Revolution hatten die Völker des Nordkaukasus kein Alphabet in ihren Muttersprachen. Man bediente sich der dem Volk fremden und unzugängigen arabischen Schrift, welche hauptsächlich Klerus und Adel beherrschten. Ein eigenes Alphabet hatte lediglich Ossetien, doch auch dort waren gedruckte Bücher kein Gemeingut des Volkes. Nach dem Großen Oktober erhielten die Gebirgsbewohner eigene Schrift, eigenes Druckwesen; sie erlangten wie sämtliche Völker der Sowjetunion die Möglichkeit, eine eigene Kultur in ihrer Muttersprache zu schaffen.
An der Wiege der neuen Dichtkunst des Kaukasus standen die Volkssänger. Aus dem Wort Sänger sprach im Kaukasus stets Hochachtung. "Des Menschen Grabmal wird einstürzen, der Sang jedoch den Weltuntergang überdauern", lautet ein kabardinisches Sprichwort.
Wir nennen nur drei solche Sänger, Begründer der sowjetischen Dichtkunst der Kaukasusvölker: Sulejman Stalski, Gamsat Zadassa und Bekmursa Patschew.
Sulejman Stalski, aus Daghestans Vorgebirge gebürtig, verfasste seine ersten scharf-satirischen Lieder um die Wende des 19. Jahrhunderts. Voll Verachtung geißelte und brandmarkte der Dichter anmaßende Beamte und selbstsüchtige Richter, habgierige Krämer und gewissenlose Dorfälteste. Stalski war ein des Lesens und Schreibens unkundiger Landarbeiter. Seine Lieder, von niemand zu Papier gebracht, wurden durch mündliche Überlieferung heimisch im Volk.
Fast zur gleichen zeit trat in dem Hochgebirgsland Daghestans ein Aware, der Sohn eines armen Bauern, Gamsat Zadassa, mit seinen Liedern hervor. Auch er ging von satirischer Entlarvung aus. Die Spitze seiner Satiren war gegen die religiösen Dunkelmänner und Fanatiker gerichtet. Zum Unterschied von Stalski konnte Zadassa lesen und schreiben (er hatte eine religiöse Schule absolviert).
Der dritte Sänger, der Kabardine Bekmursa Patschew, machte sich ein Zeichenalphabet zurecht, um seine Lieder aufschreiben zu können. Sein Abc war überladen und scherfällig. Außer ihm bediente sich dieses Alphabets niemand. Und doch schrieb Patschew vierzehntausend Verse nieder. In unsrer Zeit haben kabardinische Literaturforscher sie entziffert.
Als die Oktoberrevolution siegte, war Patschew dreiundsechzig, Stalski rund fünfzig, Zadassa vierzig Jahre alt: sie waren schon bekannte Sänger. Sie gingen mit dem kämpfenden Volk, sie begrüßten und besangen die Revolution als ihre ureigene Sache.
Diese ersten Sowjetdichter des Kaukasus vereinigten gleichsam als lebendiges Bindeglied die mündlich überlieferte Dichtung mit dem gedruckten Schrifttum. Für viele Jahre wurden sie leidenschaftliche Gestalter der "herrlichen Neuartigkeit der Welt" (Stalski), der durch die Revolution umgeformten Erde. Ihr Schaffen in der Sowjetepoche ist ein Spiegelbild titanischen Wirkens des Volkes, seiner Siege: von den größten, wie der Errichtung der Sowjetordnung, dem Aufbau der Kolchose, bis zu den schlichtesten, wie dem Brückenschlag über eine zuvor unbezwingbare Schlucht, dem Auftauchen des ersten Autos oder der Inbetriebnahme einer Wasserleitung im Heimatdorf. Ihr Sang ist eine stets eifrig gehandhabte Waffe im Kampf für diese neue Wirklichkeit.
In der Sowjetzeit erhielten die Volkssänger die Möglichkeit, ihre Werke in Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen, sie in Buchform erscheinen zu lassen. Das hing nicht von der zahlenmäßigen Größe ihres Volkes ab. In Tscherkessien verfügen sowohl die Tscherkessen wie die Abasinen und die Nogaizen über Schrifttum. In Daghestan haben die sieben ausschlaggebenden Völkerschaften ein eigenes Schrifttum: Awaren, Darginen, Kumyker, Laker, Lesginer, Tater und Tabassaranen. Lesginer gibt es in Daghestan nur etwas über hunderttausend, doch ihre Dichtkunst ist weit über das heimatliche Vorgebirge hinausgelangt und nachgerade unionsbekannt. Hohe Anerkennung fand das Schaffen des Lesginers Sulejman Stalski bei Gorki, der ihn den "Homer des 20. Jahrhunderts" nannte. Stalskis Lieder sind in die Sprachen vieler Völker der Sowjetunion übersetzt. Sein Leben und Werk behandelt man allerorten in der Schule im Literaturunterricht.
Etwas später als die Volkssänger, die Begründer der Sowjetdichtung im Kaukasus, doch ebenfalls gleich in den Jahren nach der Revolution, begann sich die erste Dichtergeneration neuer Schule schöpferisch auszuprägen. Die Literatur erhielt Zuzug von Menschen, denen sich die Schätze der russischen Kultur und der Weltkultur weit aufgetan haben. Das sind Berufsschriftsteller. Schon ihre ersten Werke wurden gedruckt.
Zu den größten Dichtern neuen Schlages gehört der Kabardine Ali Schogenzukow. Er bereicherte die Schatzkammer der einheimischen Wortkunst um mehrere herrliche Poeme und um einen großen sozialen Roman in Versen. Vor ihm hatte die kabardinische Literatur diese Genres nicht gekannt. Schogenzukows Dichtkunst sticht hervor durch Schärfe der Konflikte, Intensität in der Gestaltung von Charakteren und Situationen, sprachliche Fülle und Vielfalt, markante Bildhaftigkeit.
Besonders reich erblühte Schogenzukows Schaffen in den dreißiger Jahren, einer zeit einzigartigen Aufschwungs der Wirtschaft, der Kultur, der Technik im Lande. Das gleiche gilt vom Schaffen seiner Dichterkollegen in Daghestan und in Ossetien.
Als der Große Vaterländliche Krieg begann, eilte Ali Schogenzukow, wie so viele Sowjetschriftsteller, zu den Waffen, an die Front, um das Heimatland gegen die Hitlerfaschistischen Eindringlinge zu verteidigen. Früh und tragisch riss sein Lebensfaden: er starb in einem faschistischen Konzentrationslager. Schogenzukows Werke bilden, wie die des ebenfalls gefallenen Kumyker Lyrikers und Dramatikers Alim-Pascha Salawatow, einen festen Bestandteil der klassischen Sowjetdichtung im Kaukasus. Die Literaturen der Sowjetvölker nehmen einen ungemein stürmischen Aufschwung. Gegenwärtig weist die Poesie der Kaukasusvölker viele reife Dichter auf. Selbst die Literatur Tscherkessiens, die Gorki gegen Ende der zwanziger Jahre als eine "neue Literatur" bezeichnete, hat in den Kreis jener dcihter eigene Vertreter aufrücken lassen: Fasil Abdulshalilow, Chussin Gaschokow, Abdulach Ochtow.
Als 1950 in Moskau daghestanische Literaturabende veranstaltet wurden, brachten die Dichter Daghestans in die Hauptstadt zahlreiche neue Bücher mit, die auch in russischer Übersetzung erschienen waren. Es sei hinzugefügt, dass die 1952 in Moskau veröffentlichte Anthologie "Ossetische Literatur" Musterbeispiele für das Schaffen von etwa zwanzig zeitgenössischen Dichtern Ossetiens enthält.
Viele Dichter der Kaukasusvölker, so der awarische Stalinpreisträger Rassul Gamsatow, der Sohn Gamsat Zadassas, der Kabardiner Alim Keschokow, der Ossete Tembot Balajew, sind weiten Leserkreisen im ganzen Land bekannt. Gamsatows Buch "Mein Geburtsjahr" ist zweimal in Moskau aufgelegt worden und ebendort auch sein Gedichtbuch "Vom älteren Bruder" erschienen. Moskauer Verlage brachten die Gedichtsammlungen "Verse" von Keschokow und "Das Leben triumphiere!" von Balajew heraus.
Tembot Balajew, Rassul Gamsatow, Raschid Raschidow und andre haben die Moskauer Gorki-Literatur-Hochschule absolviert. Alim Keschokow und Georgi Kaitukow sind nicht nur Dichter, sondern auch Gelehrte. Manche Dichter stehen zugleich führend im öffentlichen Leben: als Deputierte der Obersten Sowjets der UdSSR und RSFSR, als Mitglieder der Regierung ihrer Republik.
In den Werken der Dichter der Kaukasusvölker spiegelt sich klar und mannigfach das Antlitz ihrer Heimat, die imposante, prangend schöne, mitunter herbe und wuchtige Natur ihres Landes. Sie schildern uns das einst finstere, elende Dasein in den bergen. Der Kaukasus ist reich an Bodenschätzen, fruchtbar sind seine Landstriche, doch auf ebendiesem Boden fristeten die Menschen jahrhundertelang ein Hungerdasein bestellten ihre winzigen Felder mit dem Holzpflug und hatten in ihren Behausungen Ölfunzelbeleuchtung. All das gehört der Vergangenheit an, heute denkt man nur des Kontrasts wegen daran zurück. Die dem Menschen feindliche Natur wird ihm gefügig. Unersteigbare Felsen, wie der, an den dereinst, antiken Sagen zufolge, Prometheus von erzürnten Göttern geschmiedet war, sind von den Lichtern neuer Kraftwerke erhellt, mit Hochsapnnungsleitungen umgürtet, die launischen, unbotmäßigen Gebirgsflüsse von Menschenhand gebändigt. Terek, Koi-su, Baksan, in den Beton von Deichen gekleidet, dienen gehorsam dem Menschen.
Das Antlitz des Kaukasus gewahren wir in den Versen der Kaukasusdichter. Tembot Balajew spricht in dem lyrischen Gedicht "Adlerruf" von Traktoren, die auf weitem Feld dröhnen, von dem Flugzeug, das auf "blauer Bahn" die Post aus Moskau in die Berge bringt, von mit elektrischem Licht beleuchteten Dörfern, die an hohen Hängen nachts wie neue Himmelkörper erstrahlen, vom Klang der um Mitternacht in der Gebirgsstille hallenden Kremlturmuhr...
Bald fein humorvoll, bald episch feierlich ist das neue Antlitz des Kaukasus veranschaulicht auch in des Awaren Sagid Gadshijew Gedichtzyklus "Willkommen, Tag des Glücks!" Der Dichter erzählt von neuen Menschen, die sich hohe technische Kultur zu eigen gemacht haben und ihre Kenntnisse zu nutzen wissen. Seine Gedichte gelten dem Ingenieur, der ein Wasserkraftwerk gebaut hat, dem Kolchosenschmied und -müller, dem Elektriker, der die komplizierten Anlagen eines Kraftwerks bedient.
Das neue Antlitz des Kaukasus erblicken wir auch in den Büchern Gamsat Zadassas, Alim Keschokows, Rassul Gamsatows, Georgi Kaitukows und vieler andrer Dichter. Sie beschreiben wohlhabende, blühende Dörfer, wo die Menschen einträchtig in den Kolchosen arbeiten, Gärten pflanzen, Gebirgswege bahnen, Kanäle stechen. Diese Dörfer haben ihre Schulen und Krankenhäuser, Klubs und Lesehallen, Rundfunk und Fernsprecher. Da lernen alle: tags die Kinder, abends die Erwachsenen und Jugendlichen. Nach dem Arbeitstag hört man Musik, sieht sich Filme an und liest. Dort ist durch Berichte vom Großstadtleben niemand zu verblüffen, denn Beschränktheit und Abgeschiedenheit gehören der Vergangenheit an. Jedes Dorf hat seine Intelligenz, seine "Moskauer", wie das Volk zärtlich und achtungsvoll die jungen Bergbewohner nennt, die an Moskauer Hochschulen studieren.
Die Arbeit, das Leben eines Volkes, das den Kommunismus aufbaut, die Erde umgestaltet, dies Thema ist in der Poesie der Kaukasusvölker unlöslich mit dem Friedenskampf verbunden. Es gibt im Kaukasus keinen Dichter, der ebendies ergreifende Thema nicht behandeln würde.
"Friedenswaffe" heißt ein Buch Georgi Kaitukows. Unter andern Versen lässt darin das Gedicht "Mutterbangnis" aufmerken. Der Dichter spricht von einer Mutter, die jedes Mal bangt, wenn ihr Sohn in der Frühe das Pferd sattelt. Das gesattelte Pferd erinnert die alte Frau an die Kriegszeit, an die Stunde, da ihr Sohn sich ebenso in den Sattel schwang und davonsprengte, um gegen den Feind zu kämpfen. Doch der Sohn sattelt das Pferd, um frühmorgens auf die Felder zu reiten, die er bebaut hat, zu den Hainen, die er gepflanzt.
In dem Gedicht "Gelöbnis der Bergbewohner" schildert der Dichter Gadsha Salow, wie sich im Sommer, in heißer Erntezeit, die Menschen auf dem Platz in einem fernen Gebirgsdorf versammeln, um ihre Stimme zum Schutz des Friedens zu erheben. Sie wollen Frieden und Glück für ihre Kinder. Sie wollen, dass die von ihnen gehegten und gepflegten Gärten blühen. Sie geloben, den Frieden zu verteidigen. Der Dichter vernimmt den Zusammenklang der Worte seiner Landsleute mit dem Gelöbnis aller Republiken des unermesslichen Sowjetlandes, mit dem Schwur der Völker Litauens, Usbekistans, Grusiens, "mit Moskaus erhabenem Eid"; er vernimmt den Zusammenklang dieses Gelöbnisses, das über Grenzen geflogen, mit den Forderungen aller nach Frieden dürstenden Völker des Weltalls" Der Glaube an die Kräfte des Volkes, an die Unbesiegbarkeit des Friedenswerks durchdringt die Dichtkunst der Kaukasusvölker. Diese Poesie ist unter friedlicher Sonne, auf friedlichem Boden erblüht und atmet des Friedens Luft.
Ich möchte auf die Vielfalt der Stilarten in der Poesie der Kaukasusvölker eingehen. Vergleichen wir zumindest die Bücher dreier Dichter: Tembot Balajews Sammlung "Das Leben triumphiere!", Alim Keschokows "Verse" und die Poeme Rassul Gamsatows.
Tembot Balajew ist durch und durch Lyriker. Einen beachtlichen Platz nimmt in seiner Dichtkunst die lyrische Landschaftsmalerei ein. Seine Bilder sind zart, voll feiner Details. Er bemerkt, wie 2des Landes Weite die Schwingen der Morgenröten umspannen", wie "Honigtau im warmen Grase liegt", wie "gelbe Weizenschober dahindämmern im Mondenlicht"... Er hat wenig Sujetverse, hat fast keine, die eines Helden entwickeltes Charakterbild bieten. Ihn zieht es zur Reflexionslyrik, zur kleinen Form, in der das Gesicht des Autors selber, seine Gedanken über Liebe, Heimat, Leben ihr Gepräge gefunden haben.
Alim Keschokows Verse zeichnen sich durch große innere Intensität aus, durch mannhaft-kühnes Streben. Das Leitmotiv seiner Dichtkunst ist die Kühnheit ununterbrochenen Vormarsches. Keschokow trachtet nach einem klaren Sujet. Viele seiner Gedichte kann man wegen ihrer Vollendetheit in Sujet und Komposition als kleine Balladen bezeichnen. Er liebt und sucht die eindruckstiefe Tatsache aus dem Leben, das plastische "äußere" Detail, das seine Gedichte sichtbar, ja greifbar macht. Fast jedes von ihnen ist gedanklich leicht zu veranschaulichen.
Das Hauptthema der Werke Rassul Gamsatows ist die lebendige Erfassung der Sowjetunion als des Vaterlandes für alle Werktätigen, welcher Nation sie auch angehören mögen, die unverbrüchliche Verbundenheit der Völker des Sowjetlandes mit dem großen russischen Volk. Gamsatows Poem "Mein Geburtsjahr", als ausgesprochener Monolog verfasst, der das Schicksal eines ganzen Landes, aller Bergvölker Daghestans episch nacherzählt, weist sowohl pathosstarken politischen Appell wie Elemente der Satire auf, sowohl lyrische Besinnlichkeit wie Liedhaftigkeit.
Gamsatows lyrisch angelegtem Poem "Des Bergbewohners Heimat" enthält ein wundervolles dichterisches Bild: ein Flüsschen strebt aus Daghestans Bergen den großen Flüssen des Tieflandes zu, mündet mit ihnen ins Kaspische Meer und erlangt dort, mit den Wolgawassern vereint, neue, mächtige Kraft.
Und gleicht denn unser Schicksal etwa nicht
Dem Schicksal dieser Flüsse, die sich trafen?!
ruft der Dichter. So weitet sich für ihn der Begriff Heimat vom winzigen Dorf, von der heimat der Väter, zum ganzen Sowjetvaterland.
Gamsatows Lyrik hat große Spannweite: sie umfasst das intime lyrische Bekenntnis, Sujetverse, publizistische Verse. Gern zeichnet er einfache Menschen mit ihren schlichten Schicksalen und ihrer Alltagsarbeit, mit ihren Heldentaten und herrlichen Siegen, ihren reinen Fühlen und Denken, ihrem einträchtigen Beisammensein. Der Dichter verkörpert in seinen Helden das Wesen der sozialistischen Epoche, ihren Elan, ihren Wagemut. Gamsatow hat vieles aus der Volkslyrik geschöpft, aus ihrer keuschen Reinheit, ihrer Aphoristik. Die Kunst guter awarischer Scherzhaftigkeit und die Schärfe pamphletischer Kennzeichnungen hat er von seinem Vater, von Gamsat Zadassa, dem ruhmvollen daghestanischen Meister der Satire.
Im Schaffen der kaukasischen Dichter spiegeln sich die Geschichte ihres Heimatlandes, seine reiche Gegenwart, der Charakter der Völker, denen sie angehören. Wir nehemn in dieser Poesie den mannigfaltigen, fruchtbaren Einfluss der russischen Literatur wahr. Die klassische und die sowjetische Literatur wurde den Kaukasusdichtern zu einer hohen Schule gestalterischen Könnens.
Nicht von ungefähr sind die bedeutendsten Dichter Daghestans, Kabardas, Ossetiens auch die besten Nachdichter russischer Poesie, die sie mit Feuereifer in ihrer Muttersprache volkstümlich machen. Ali Schogenzukow hinterließ hervorragende Übertragungen der lyrischen Werke Gorkis "Das Lied vom Falken" und "Das Lied vom Sturmvogel". Gamsat Zadassa übersetzte einen Band Lyrik von Puschkin und dessen Dichtung "Russlan und Ludmilla". Georgi Kaitukow ist Nachdichter von Puschkins "Eugen Onegin", von Versen Lermontows und Nekrassows. Zu Rassul Gamsatows ersten dichterischen Arbeiten gehörten Übertragungen von Puschkins Poemen "Poltawa" und "Der eherne Reiter", von lyrischen Werken Lermontows, von Gedichten Majakowskis.
Auch der Austausch von Überlieferungen, Themen, Sujets, der zwischen den Literaturen aller Völker der UdSSR so aktiv erfolgt, bereichert die Poesie der Kaukasusvölker. Der vielsprachigen Sowjetliteratur eignet in hohem Maß das Gefühl für internationale Solidarität. Motive dieser brüderlichen Völkerfreundschaft klingen an in Ali Schogenzukows Versen über den großen ukrainischen Dichter Taras Schewtschenko, in Tembot Balajews Versen über Schota Rustaweli, den Klassiker der grusinischen Poesie. Gamsat Zadassa hat den Gedanken der Einheit der Sowjetliteratur trefflich zum Ausdruck gebracht: "Ich habe die Lieder des begabten Moskauer Dichters Lebedew-Kumatsch gesungen. Ich habe die Gedichte Tichonows gelesen, eines Sohnes des ruhmvollen Leningrad. Ich hatte den Genuss einer herzlichen Aussprache mit dem Grusinier Tabidse. Ich habe die klangvollen Worte des Aserbaidshaners Wurgun vernommen". In meinem Herzen erklingen die Werke Pawlo Tytschinas. Janka Kupala hat Belorussland, an das ich früher nicht im Traum dachte, mir nahegebracht ..." Werke von Dichtern des Kaukasus wie Stalski, Zadassa selber, Schogenzukow, Keschokow, Gamsatow, Balajew und vielen andern sind ebenfalls dieser gemeinsamen dichterischen Schatzkammer der Nationalitäten zugeflossen und machen sie reicher.
Die Poesie der Kaukasusvölker, die seit dem Bestehen der Sowjetordnung in einen großen Wirkungsbereich gelangt, ist weit über die Grenzen ihrer Heimat hinausgeschritten.
Reiseführer
Die russische Schwarzmeerküste
Unterwegs zwischen Soci und Anapa
Aufgezeichnet von Andreas Sternfeld
und Bodo Thöns
1. Auflage 2005, 408 Seiten, Trescher Verlag,
24 Karten und Stadtpläne, 236 teils vierfarbige Fotos,
broschiert, Format 12,5 x 21 cm
ISBN 978-3-89794-068-0
17.95 Euro/30.80 SFr
Die etwa 400 Kilometer lange Küste am Schwarzen Meer ist für russische Touristen seit jeher ein beliebtes Reiseziel. Zu entdecken gibt es nicht nur die Küste mit subtropischer Vegetation und traditionellen Kurorten wie Soci, sondern auch die seltenen Reliktwälder, Wasserfälle und die geheimnisvollen Dolmen im Vorkaukasus. Im nahen Kaukasus ist sogar Skisport möglich. Aktivurlauber haben die Wahl zwischen Wassersport, Rafting, Paragliding, Wandern, Klettern oder Reiten. Kulturell Interessierte können die Einflüsse der hier ansässigen Adygeer, Armenier, Georgier, Ukrainer und Russen kennenlernen und sich an der vielseitigen Küche der Region erfreuen.
Die russische Schwarzmeerküste
Vorwort:
Die östliche Schwarzmeerküste vom Azovschen Meer bis zum Ort Adler an der Grenze zum heutigen Abchasien, das völkerrechtlich zu Georgien gehört, ist erst seit etwa 150 Jahren in russischer Hand. Ihre Erschließung für Kurgäste und Urlauber begann in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Die bolschewistische Regierung verankerte das Recht auf Erholung der Werktätigen als verfassungsrechtlichen Grundsatz. Beginnend mit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden in der Gegend um Soci und weiter nördlich um Tuapse, GelendÏik und Anapa Sanatorien, Hotels, Herbergen und Campingplätze, die entweder Organisationen wie Partei, Gewerkschaften oder Großbetrieben gehörten oder von sowjetischen Reisebüros betrieben wurden. Daneben entfaltete sich, als ein Zweig der Schattenwirtschaft oder aber legal, die private Zimmervermittlung.
Für die DDR-Bürger war die sowjetische Schwarzmeerküste, vor allem der Kurort Soci, eines der begehrtesten Urlaubsziele. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts galt die Gegend als �;russische Riviera�;. Vergleiche hinken, und das Leben bestätigte zunächst, daß die ehemaligen DDR-Bürger und mit ihnen auch die russischen Neureichen die wirkliche Riviera der russischen vorzogen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Schade, muß man hinzufügen, denn längst bieten Soci, Gelendzik, Tuapse und Anapa neben einer atemberaubend schönen Natur auch die nötige touristische Infrastruktur.
Wir Autoren kennen die Gegend seit langem. Als wir begannen, dieses Buch zu schreiben, wurden Erinnerungen an die Kindheit wach, als wir in Soci die ersten Palmen und die ersten auch im Sommer schneebedeckten Berge des Kaukasus sahen. Die Eindrücke vom Schwarzen Meer, vom Dendrarium, vom Panorama des Westkaukasus, das sich einem vom Berg Achun bietet, vom Rizasee, der heute in Abchasien liegt �; wir haben sie nie vergessen. Um so dankbarer nahmen wir die Herausforderung an, diese in den letzten eineinhalb Jahrzehnten vom westeuropäischen Tourismus vergessene Gegend mit neuen Augen zu betrachten und alles Wissenswerte über sie zusammenzutragen.
Mit dem Ende der sowjetischen Ära sahen auch Soci und die anderen Urlaubs- und Kurorte am Schwarzen Meer dem Elend ins Gesicht. Die Urlauber blieben aus, Moskau zahlte nicht mehr zum Erhalt der Infrastruktur, der rechtliche Status der Sanatorien, Hotels und Herbergen war lange ungeklärt. Die Privatisierungen waren schmerzhaft, nach und nach erst floß neues Kapital in die Tourismus- und Kurindustrie. Was nicht niet- und nagelfest war, wechselte den Besitzer und Standort.
Diese Zeiten sind, scheint es, vorüber. Wenige Monate nach Beginn seiner ersten Amtszeit erklärte Putin Soci zu seiner Sommerresidenz. Im Winter fährt er Ski in Krasnaja Poljana. Die großen Ölfirmen und andere Konzerne investieren ebenso wie ausländische Unternehmen, �;SAS Radisson�; zum Beispiel. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Urlaubs- und Erholungssuchenden wieder rapide an.
Das aber ist nur der äußere Rahmen für das, was die Natur, die eigentliche Schöpferin des Reichtums an der russischen Schwarzmeerküste, zu verschenken hat. Wo kann man heute noch am Tag in den Bergen wandern oder sogar bis in den Juni hinein skifahren und an den Abenden im warmen Wasser des Meeres baden? Die üppige Vegetation in den Überbleibseln der kolchischen Wälder, die zahllosen Wasserfälle und Höhlen in den Bergen, die botanischen Gärten, Bergseen, Teeplantagen und die von den Menschen längst vergangener Kulturen geschaffenen, rätselhaften Dolmen in den dichten Laub- und Nadelwäldern der Vorberge des Kaukasus �; jeder Tag bietet neue Überraschungen sowohl für die, die sich nur erholen möchten, als auch für jene, die tiefer eindringen wollen in die Geheimnisse der Natur und Geschichte.
Daneben gehören zum Reichtum der Region zahllose Mineralquellen, die aus den Tiefen der Erde heilendes Wasser zutage befördern. Ihnen und den rund 300 Sonnentagen im Jahr verdanken Soci und Umgebung ihren Ruf als Kurort und Heilbad. Die Quellen von Macesta in Soci enthalten Schwefel, das natürliche Antibiotikum des Kaukasus. Die Schwefel- und Mineralbäder sind Balsam für Gelenke, verschiedene Erkrankungen des Nervensystems, bei Herz- und Kreislaufbeschwerden, Hautkrankheiten und vielen anderen Übeln.
Dieser Reiseführer, der erste seit fast 20 Jahren im deutschsprachigen Raum, enthält ein Kompendium von Tips zu Unterkünften und Anprechpartnern, nicht nur, um so viel wie möglich, sondern vor allem, um das Beste zu sehen und zu genießen. Wer des Russischen nicht mächtig ist, muß sich nicht scheuen. Die Informationen werden auch für den Individualtouristen ausreichend sein, um sich zu orientieren und enthalten Adressen, über die man sich mit deutsch- oder englischsprachigen Ansprechpartnern vor Ort in Verbindung setzen kann. Zu fast allen Ausflugszielen in und um die großen Kurorte organisieren zahlreiche Reisebüros preisgünstige Exkursionen. Einige Agenturen vermitteln für diese Touren auch Dolmetscher. Fast alle Ziele kann man auch individuell erreichen.
Das Hinweisschilder �;sdam komnatu�; (Vermiete Zimmer) findet man auf Schritt und Tritt, in jeder Ortschaft. Je weiter von Soci und den anderen großen Orten �; Tuapse, Gelendzik, Anapa �; entfernt, desto billiger ist es in der Regel. Alles andere findet sich von selbst. Die Menschen sind gastfreundlich und geschäftsbewußt. Für die meisten ist der Fremdenverkehr die einzige oder zumindest wichtigste Einnahmequelle.
Ein Urlaub in Rußland ist anders als der in Westeuropa oder in anderen �;traditionellen�; Urlaubsländern. Die Unterschiede fallen ins Auge �; auf den ersten Blick. Um die Chance zu geben, sie zu verstehen, haben wir dem eigentlichen touristischen Teil des Buches einen landeskundlichen vorangestellt, mit den wichtigsten Informationen zu Geschichte, Geographie, Klima, Flora und Fauna sowie ethnischen und kulturellen Besonderheiten.
Wir hoffen sehr, daß die Lektüre dieses Buches Neugier und Tatkraft wecken wird. Wer sich zu einer Reise an die russische Schwarzmeerküste entschließt oder schon entschlossen hat, dem wünschen wir einen erholsamen, spannenden und an Erlebnissen reichen, unvergeßlichen Urlaub. Für kritische Hinweise und Ergänzungen sind Ihnen die Autoren und der Verlag dankbar.
Andreas Sternfeldt
Bodo Thöns
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